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Scribe! - der vielseitige und kostenlose HTML-Editor
20.07.2002 by Lars Sörensen
Quelltext?
Heutzutage ist es ohne weiteres und auf sehr komfortable Art und Weise möglich, komplexe Webseiten zu erstellen, ohne einen Schnippsel HTML zu Gesicht zu bekommen. In diesem Zusammenhang fallen dann Namen wie Microsoft Frontpage, Macromedia Dreamweaver oder Netobjects Fusion, Anwendungen, die sich als WYSIWYG- ("what you see is what you get") oder grafische Editoren verstehen. Auch der unbedarfte, wordverwöhnte Anwender wird aufgrund vieler Assistenten und einer nahezu selbsterklärenden Oberfläche seine Homepage erstellen und warten können. Der Quelltext wird, vom Benutzer abgeschirmt, im Hintergrund generiert. Die Kritik ist zahlreich: hoher Preis, aufgeblähter und sinnloser Code, "Standardverletzungen". Je nach Standpunkt lassen sich diese Argumente verschmerzen. Problematisch wird es an der Stelle, wo sich ein Fehler in der Seite (z.B. eine Inkompatibilität oder ein Darstellungsfehler in einem anderen Browser) nicht durch Bordmittel des Programms, sondern nur durch Eingriff in den Quelltext beheben läßt. Hier wird man ohne Grundkenntnisse der "Websprachen" nicht weiterkommen. Diejenigen, denen diese Fähigkeit vergönnt ist, werden dann oftmals das Gefühl haben, daß sie in der Zeit des Anpassens und Reparierens des vom Programm erstellten Quelltextes den Code auch selber hätten schreiben können. Aus diesem Grunde schwören nicht nur professionelle Webdesigner auf Quelltext-Editoren, die Ihnen die volle Kontrolle über den Quellcode geben. Freilich, letztendlich ließe sich eine Webseite auch mit einfachen Texteditoren wie Notepad oder vi zaubern, wer jedoch einmal die arbeitserleichternden Funktionen aktueller, quelltextbasierter HTML-Editoren kennengelernt hat, wird sie nie mehr missen wollen. Quelltextbasierte HTML-Edioren gibt es wie Sand am Meer, als Free- und Shareware. Wir schauen uns heute mal den Freeware-HTML-Editor Scribe! von Jan Uhlenbrok an. Die vorliegende Version ist Scribe! 2.1.
Erster Start
Nach Installation mittels der 1,77 MB großen Setup-Datei durchsucht Scribe! beim ersten Start das System nach installierten Browsern, die sich später aus Scribe! heraus starten lassen (übrigens wird irrtümlicherweise Opera einmal als Opera, einmal als Netscape erkannt, vermutlich wegen der sich im Opera-Ordner befindenden Datei netscape.exe). Danach erscheint ein Assistent, der sich vor allen Dingen an Homepage-Einsteiger richtet. Hier kann ein Projektordner angelegt und gleich mit den Vorbereitungen für die erste Seite begonnen werden (Meta-Angaben, Seiteneigenschaften). Die Oberfläche wirkt auf den ersten Blick außerordentlich aufgeräumt und übersichtlich. Neben obligatorischen Menü- und Symbolleisten befindet sich noch ein Register in der oberen Sektion, in dem häufig genutzte Formatierungen zur Verfügung stehen.

Die Scribe!-Oberfläche - Nachbearbeitung von Tags
Den Löwenanteil der Oberfläche nehmen die "Verwaltung" (Dateimanager, Projektmanager, FTP, Farbwähler und Sonderzeichen) und das Codefenster ein. Selbstverständlich lassen sich gleichzeitig mehrere Dateien öffnen, zwischen denen Sie dann mittels Buttonleiste hin- und herwechseln können.
Der tägliche Umgang
Was macht man mit einem HTML-Editor den lieben, langen Tag? Genau, man schreibt, löscht und verändert Tags. Hier muß ein Editor zeigen, was er kann. Scribe! hebt natürlich die Codebestandteile farblich verschieden vor ("syntax highlighting"), des weiteren stellt Scribe! für gebräuchliche oder komplexe Tags mit vielen Attributen Assistenten zur Verfügung, lobenswert sind hier der Tabellen-, der Frames- und der Formularassistent, die einem viel Tipparbeit abnehmen. Auch nachträglich lassen sich diese Tags noch über diese Dialoge verändern. Von Hand eingetippte Tags werden automatisch mit einem Schlußtag versehen. Der Clue: Häufig verwendete "Bausteine" (wie z.B. eine speziell formatierte Tabelle) können in einem kleinen Archiv namens "Buttonx!" abgelegt werden und stehen dann im Register als Schaltfläche zur Verfügung. So kann mit einem Mausklick ein wiederkehrender Baustein an die aktuelle Stelle im Quelltext eingefügt werden, "cut 'n' paste" entfällt! Scribe! beherrscht übrigens XHTML und kann vorhandene Seiten auch nach XHTML konvertieren.
Spezielle Funktionen
Scribe! bringt von Haus aus schon etliche Tools mit. Neben dem eben erwähnten XHTML-Konverter und "Buttonx!" sowie anderen nützlichen Plugins enthält der Editor auch einen Style-Sheet-Editor, einen Thumbnailgenerator und eine "Suchen & Ersetzen"-Funktion über mehrere Dateien hinweg. Aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken ist das direkte FTP. Dateien können nicht nur einfach hochgeladen werden, sie lassen sich auch direkt vom FTP-Server aus öffnen, verändern und abspeichern. Dies bedeutet gerade bei Seiten, die täglich abgeändert werden müssen, eine echte Zeitersparnis.

Direktes FTP
Kritik
Genug des Lobs. Was man bei Scribe! schmerzlich vermißt, sind überlappende Fenster. Das aktuelle Codefenster nimmt jeweils als einziges den zur Verfügung stehenden Platz ein. Gerade wenn Änderungen an verschiedenen Dateien aufeinander abgestimmt werden müssen, wären kaskadierende Fenster wünschenswerter.
Das direkte FTP ist trotz seiner Praktikabilität noch kein Ersatz für einen FTP-Client. Das Übertragen einer einzelnen Datei stellt sich ein wenig schwierig da, da Datei- und der FTP-Manager Registerreiter desselben Registers sind. An "drag 'n' drop" ist da nicht zu denken. Stattdessen: Im Dateimanager Datei markieren und kopieren, in die Registerkarte FTP wechseln (evtl. noch Verbindung aufbauen) und einfügen. Hier ist ein mehrfenstriger FTP-Client à la Ipswitch natürlich praktischer. Logische Fehler haben sich hier und da ebenfalls eingeschlichen, so läßt sich kaum ergründen, warum sich Farb- und Sonderzeichenwahl unter dem Register "Verwaltung" befinden, wo sich sonst Datei-, Projekt- und FTP-Management tummeln. Die Sonderzeichen haben sich in früheren Versionen unter dem Menüpunkt "Ansicht" befunden, was sich auch der Logik entzieht. Unter "Einfügen" oder im Kontextmenü wären sie wohl besser aufgehoben.
Alles in allem: Diese kleinen Schwachpunkte können den überaus positiven Eindruck von Scribe! nur schwerlich trüben. Das konsequente Spicken des Programms mit nützlichen Funktionen, Tools und Plugins läßt Uhlenbroks Absicht erkennen, das Arbeiten an Quelltexten sowohl für den Anfänger als auch für den Profi so einfach wie möglich zu gestalten.
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